Schamgefühl

11 Aug

Offenbar fühlen sich immer mehr Menschen in ihrer anonymisierten Umwelt veranlasst um Aufmerksamkeit zu buhlen.

Wie sonst ist zu erklären, dass Anblicke, die in den Bereich der Privat- oder auch Intimsphäre gehören, in die Öffentlichkeit verlagert werden und zwar mit möglichst viel Publikum.

Längst gehört es zum Straßenbild, dass man unfreiwillig mit nackten Körperteilen fremder Menschen konfrontiert wird.  Damit meine ich natürlich an Orten, wo ich normalerweise nicht damit rechne.  Durch Fußgängerzonen schlendernd präsentieren  bückende Mitmenschen beiderlei Geschlechts  mehr oder weniger üppige Pobacken,  die gerne auch einmal mit einem Bändchen verziert sind , welches sich wahrscheinlich einem sogenannten Stringtanga zuordnen lässt.  Natürlich denke ich nicht darüber nach, dass es doch erstaunlich ist, in welch  immensen Größen diese „Reizwäsche“ offenbar hergestellt und erhältlich ist.

Gibt es in deren sozialem Umfeld keine wohlmeinenden Freunde, die darauf hinweisen, dass es auch Kleidung in der erforderlichen Größe gibt?

Verblüfft hat mich noch mehr, als ich – in den letzten Monaten mehrmals – in Restaurants bzw. Cafés Zeuge folgenden Vorgangs an einem der Nebentische werde durfte:  Mensch (in diesen Fällen waren es Männer), holt ein kleines Mäppchen hervor, öffnet  dasselbe und entnimmt einen Gegenstand. Dann klappt er die Oberbekleidung (Shirt, Pulli, Hemd) nach oben, der nackte Bauch wird sichtbar und es wird eine Dosis Medikament (ich vermute Insulin) mittels Einstich verabreicht.  Pulli o.ä. wird wieder nach unten geklappt und seelenruhig weitergegessen. Nicht, ohne vorher einen prüfenden Blick in die Runde geworfen zu haben, ob die Vorführung denn auch genügend Beobachter gefunden hatte.

Wenn ich möchte, dass mir jemand seinen nackten Hintern oder auch Bauch  entgegenstreckt,  weiß ich um Orte und Möglichkeiten … aber es ist einfach hinterhältig, egoistisch und geschmacklos damit unvorbereitet konfrontiert zu werden und gar nicht schnell genug weggucken zu können, um sich den Anblick zu ersparen. Es ist nicht immer von Vorteil, eine rasche – nicht nur optische Wahrnehmung – zu haben … stelle ich wieder einmal fest. Aber sicher wird das im Alter – in meinem Alter – besser. Alle Sinne werden nachlassen … auch die Augen. Und wenn sich der Trend zur öffentlichen Zurschaustellung bei eher unappetitlichen Aktionen weiter fortsetzt, freue mich mich fast auf meine schwächer werdenden Augen … (lässt der Geruchssinn auch nach? … hoffentlich … sonst muss ich entweder das Bus- und Bahnfahren einstellen oder stets eine Wäscheklammer mit mir führen) … 😉

 

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